Sommerzeit
Die Uhr tickt monoton wie das stetige Klicken des Stockes des blinden Greises, der sich, so alt und weise, bedächtig Schritt um Schritt um Schritt vorwärts tastet; dazu das Tropfen des Wassers, atemlos und hektisch, zermarternd der immergleiche hohle Unton; ab und zu ein Auto, Stimmen, ein Lachen oder zwei, fernab. Schuhe schweigen in stiller Anklage. Selbst das laue Rauschen des Sommerwinds klingt lustlos in den Ohren des Betrachters oder Belauschers oder der vitalen Erscheinungsform, in welche die launenhafte Mutter Natur den vernunftbegabten Geist sich manifestieren ließ. Ein kühles Kapsreiter kann erquicken, und so wollen wir allen Gefahren, Krankheit, Elend und marmeladeverschmiert auf südostjapanischen Walfangjägern Square zu dancen trotzig in die Augen sehen und sogleich erscheint vor unseren das verheißungsvolle Bild einer grün angelaufenen Wegwerfpinzette. Brüllend stürzt du dich in die Pinzette, entschlossen, dich deiner Uniform immer würdig zu erweisen, und ist sie nur aus Müllsäcken. Tapferkeit, Demut und angewandte Veterinärphilosophie, so lehrten schon die Inka, sind Highways To Hell, doch das ist dir egal, wenn du eine Ente siehst. Die Kultur also, eine aufgetackelte alte Schachtel, ordinär und plebejisch, kämpfst du für sie, so furzt sie nur lauwarm. Ratten sind ein Musterbeispiel. Stirbt eine Ratte, so lebt sie nicht mehr. Ratten sind schmutzige putzige Tiere mit haarlosem Schwanz. Ratten leben in Scheiße. Ist der Vergleich mit dem Menschen weit hergeholt? Rosseau lehrte, dass alles Schöne natürlich und alles Natürliche schön sei, und was ist natürlicher als ein Magengeschwür?
Back at Home, mehr als zwei Jahre und Krisen später. Stiegl ersetzt Kapsreiter, kühl und frisch, und es ist dunkel. Schnee lag schon auf den Dachen, Stadtgeräusche ringsum, mehr Kontakt mit Ratten. Im Schatten gestatten die Tiere sich Biere, stoßen alles um. Dumm. Zurück zum Natürlichen und Schönen. Ich liebe die Kunst, zumindest manche. Man zeige mir natürliche Kunst, so was wie Gemälde in Scheiße oder Wasserfälle. In Island tummeln sich Wasserfälle und tosen. Island ist das Ende der Welt und der Eingang zur Hölle. Die Enten sind größer und das Bier ist teuer. Ich möchte nicht in Island leben, zumindest nicht im Winter, genauso wenig wie in den USA überhaupt, aber aus anderen Gründen. Na ja, New York ist nett und in the city haben sie Sex. Weniger netter Aspekt, aber es muss alles geben. Sagten auch schon die Perser, nicht erst seit den Atomwaffen. Ein persischer König ließ einmal das Meer auspeitschen. Das Meer, die Mutter aller Dinge. Kolumbus schiffte über das Meer, die Wikinger auch, wild und blutrünstig. Immerhin verbrannten sie Kirchen und Klöster, doch Gott sieht alles. Grüße an alle Zeugen dieser Welt, könnt ihr mich hören, lasst euch verstören, lasst euch zerstören und klingelt nicht an meiner Tür. Laut Nietzsche ist Gott tot, aber was weiß ein alter Sadist schon. Würde ja einschließen, dass er mal gelebt hat, wär ja noch schöner. Zurück zum Meer. Vielleicht lassen wir uns eines Tages wieder Kiemen wachsen und verwandeln uns in Amphibienfahrzeuge mit Beinen, was meinst du? Wir können Atlantis wieder entdecken und ein neues Las Vegas draus machen. Las Vegas ist auch ein netter Aspekt den USA, keine Frage. Hoffentlich lässt niemand Atlantis bombardieren, denk an die Kraken. Die könnten Croupiers werden oder Selbstmordattentäter falls doch jemand mit Bomben. Wer im Meer die Wahrheit findet, der sollte den Regenschirm nicht vergessen. Das sind meine weisen Worte als der ultimative Prophet dieser Zeit. Lassen wir jedem Verdurstenden sein Streichholz zukommen, eine neue Ära ist angebrochen. Das tut sie übrigens oft, klassisches Suchtverhalten. Sucht oder Gewohnheit, das ist die Frage. Bringt mir einen Menschen, der frei von Süchten ist, und ich besorg den Rest. Zum Beispiel Luftmatratzen und Plastikteller. Wirst schon sehen, wie schnell der sexsüchtig wird, aus reiner Langeweile. Langeweile ist der Antrieb des Menschen, oder wie erklären sich sonst Krevettencocktail, Selbstmord oder Krieg. Und dann erst die ganzen Zivilisationserscheinungen. Mir ist selten fad. Früher war das anders. Vielleicht oder besser wahrscheinlich deshalb bin ich verrückt geworden. Andrerseits war ich das schon immer. Genug von mir, sprechen wir übers Klonen. Muss eine Kopie immer schlechter als das Original sein? „Tainted Love“ ist von Marilyn Manson besser, Black Jack ist besser als Coca Cola und die Backstreet Boys waren lustiger als Take That. Nimm dies, Schurke, haha. Schurken sind die meisten Menschen, aber nur die wenigsten bekennen sich dazu. Ich bin stolz, böse zu sein, aber eigentlich bin ich ganz harmlos. Harmloser zumindest als die Wikinger, die immer Hörner auf den Helmen hatten. Denk doch an die Tiere, Seegurken und ähnliches. Wenn Seegurken sprechen könnten, würden sie bestimmt die ganze Zeit nur über Verdauungsstörungen reden, kennen ja nichts anderes. Der Gott der Verdauungsstörungen ist bestimmt eine Seegurke in seinem Aquarium am Olymp. Die olympischen Götter sind tot, darauf komm ich auch ohne Nietzsche. Aber sie waren cooler als irgendwelche Weicheihippies, die von Liebe und good Vibrations reden. Der Krieg ist der Vater aller Dinge, das Meer die Mutter. Wie die sich wohl gepaart haben? Moment, ich kanns mir eh vorstellen, Sturm und Wasserhosen und alles. Das hat dann den Schlamm hochgewirbelt und so sind dann die Einzeller entstanden. Perfekt, jetzt wiss ma ja, wer schuld ist, nur muss man immer in Schuldfragen denken? Warum auch nicht?
Mein Knie ist hin. Wir stehen bei Ottakringer, der Schnee ist geschmolzen, aber vielleicht kommt er ja zurück. Late in the night. Wieder ist Zeit verflossen, vergossen wie das lauwarme Bier halbaufgewärmter Beziehungen. Wie meinen Sie das? Noch wurde mir kein Denkmal gebaut, weshalb nicht jeder Vollidiot wissen kann. Manchmal stelle ich mir vor ein Iglu zu sein. Im ewigen Eis. Nicht Antarktis, Trottel, da gibt’s nur Pinguine. Meine Freundin ist Gogo-Tänzerin in der Antarktis und betrügt mich mit Zwergpinguinen. 90 % aller Zwergpinguine sind polygam, 87 % aller Zwerge und 1 Buckelwal. 70 % aller Statistiken beweisen gar nichts. Auf einen Menschen kommt ein Bruchteil eines Buckelwals und tausende Ameisen, von Bakterien gar nicht zu reden. Ich bin froh, dass ich meine Bakterien hab, könnt ja sonst gar nicht verdauen. Zurück zur Frage, ob Kriege durch Verdauungsstörungen ausgelöst werden. Führen Seegurken Kriege? Pervers ist nur, dass alle für Jungfräulichkeit ficken. Bringt immerhin der Wirtschaft was, und was der Wirtschaft hilft, ist gut, zumindest für die Wirtschaft. Vielleicht muss man Krieg einfach als Aktionskunst begreifen, um nicht durchzudrehen. Nur die Reden nerven, aber das haben Reden so an sich. Bin ich froh, dass ich nicht meine eigene Begräbnisrede halten muss, würde in den Worten „Na ja, er hat sich bemüht“ gipfeln. Und alle würden klatschen, um es zu übertönen. Ich bin klein, müsste ich weniger für das Grab zahlen? Sinnlose Frage, ich will brennen. Das letzte Hemd. Taschen. Pharaonen wurden mit ihrem ganzen Hofstaat beerdigt, damit sie im Jenseits nicht einsam sind. Grabwaffen hatten sie auch, falls der Hofstaat dort die Revolution probt. Es lebe die. Sie hat nichts besseres verdient. Wir schreiben das Jahr des Affen, eine neue Revolution ist fällig. Wenn sie kommt, hören alle Unterscheidungen auf. Unterscheidungen sind aber wichtig, wie schon der Urmensch die zwischen Baum und Tiger lernen musste. Kleiner Tipp: was dich frisst, ist keine Birke. Angst essen Seele auf. Seele essen Körper auf. Körper essen Müsli auf, aber Müsli nix essen Angst. Wahrscheinlich ist auch Angst die Ursache aller Kriege, neben Verdauungsstörungen. Wut essen Angst auf, und das ist das Ende vom Anfang. Dann folgt das Intermezzo mit Panzern, Bomben und Gleichschritt und zu guter Letzt sind alle wieder gut (außer die Bösen). Ach ja, aber denen stochert man im Mund herum, damit die Gerechtigkeit wieder hergestellt ist. Cui bono?
Wieder viel später, diesmal ist es nur Radler, und ich muss zu Ende kommen mit diesem Journal. Big Brother is coming closer. Ja, ich weiß, Endzeitstimmung glaubt kein Schwein, aber mein großer Bruder ist a Big Brother I bet is real wie das Spiel an der Wand. Genug davon, Ich war bei Krieg, Frieden und dem bisschen Blabla stehengeblieben und wollte noch mehr von meinen Senf dazu geben (und bei meinem Senf gibt's auch Zwiebel, mjam mjam). Keine Ahnung, wie den anderen Äffchen mein Senf schmeckt. Ich rede ja auch nur von den Äffchen, die "Scheiße" sagen und eine Atombombe basteln können. Also, ich kann derzeit keine Atombombe basteln, aber wenn ich das Rezept und die Zutaten hätte, könnte ich es. Aber eigentlich reizt mich verkehrte Ananastorte mehr. Übrigens, ich hab mich geirrt, Little Brother is coming closer, ich muss mich beeilen. Ich muss mich beeilen. Ich schätze mal, wer das Geheimnis der Ananas kennt, weiß mehr als ich (und muss es mir verraten). Ich kenn nur das Geheimnis der Katze, und das ist nicht mal ein Geheimnis. Little Brother is coming closer. Das Geheimnis der Ratten habe ich auch noch nicht durchschaut, ich weiß nur, wo Gott irrte: Ratten sind hundertmal intelligenter als die blöden Mäuse. Ach ja, das offene Geheimnis der Katze: Katze Chef, du Nix, ich Nix, capisce? Ich muss aufhören, Little Brother is here.