literarische Gehversuche

 

Es war einmal oder ist oder wird irgendwann mal sein, wenn es überhaupt mal war oder ist oder sein wird (was ja der genaueren philosophischen und technischen Analyse einiger Experten zufolge scheißegal ist ) in einem fernen Lande in einer fernen Dimension, deren Existenz weder wissenschaftlich bewiesen noch widerlegt ist, eine junge Dame, über deren abenteuerliches, interessantes Leben hier kein Wort verloren wird. In derselben Dimension, Insidern zufolge sogar auf demselben Planeten, lebte auch ein Postangestellter (29; ledig; kinderlos), der ein sogenanntes „völlig normales“ Leben führte. Um Missverständnisse zu vermeiden: das ist keine Science Fiction-Geschichte, der Planet ist die Erde und wird als Schauplatz auch nicht verlassen werden, der Postangestellte ist (zumindest nach zoologischer Definition) ein Mensch und kein bellendes Insekt mit einem Fischkopf, das sich von den Fingernägel Go – spielender Radiosprecher ernährt und in seiner Freizeit gerne wandern geht.

 

Eines Tages, es regnete, erfand der Postangestellte eine Art Maschine, die das Ordnen eingehender Briefe erleichterte und somit den Personalaufwand verringerte. Dadurch verlor er seinen Arbeitsplatz, der blöde Postangestellte. Er verlor in Folge auch alle seine Freunde (alle beide), da er ihnen bei jedem Treffen sein Leid klagte und wiederholt fragte, was nun aus ihm werden soll. Sie antworteten immer: „Hör mal gut zu, Ex - Postangestellter! Wenn du schon so dumm bist, dass du etwas erfindest, das dich einspart, und diese Erfindung nicht mal patentieren lässt, dann darfst du dich nicht wundern, wenn dein Ex – Vorgesetzter sie dir klaut und dich entlässt, also heul' dich nicht bei uns aus, Trottel, depperter, Wixer, perverser, du!“ Aufgebracht über dieses abschließende „du“ warf der Ex – Postangestellte ihnen dann immer einen Vanillepudding ins Gesicht und verließ sie unter wüsten Beschimpfungen, in denen er vorwiegend leicht abgewandelt aus Goethes „Götz von Berlichingen“ zitierte. Der endgültige Bruch folgte, als diese der Aufforderung nachkamen, was wiederum der Ex – Postangestellte unerhört fand. Beleidigt verkroch er sich zwei Jahre lang in der Kanalisation und lebte von Katzenfutter, dessen Zubereitung er bald in 357 leckeren Variationen vom einfachen Aufwärmen in der Dose über einem Feuer aus getrocknetem Rattenkot bis zum raffinierten zwölfgängigen Feinschmeckermenü beherrschte. Schließlich eröffnete er das erste offizielle Katzenfutterrestaurant, doch leider lag direkt neben diesem das Hundefutterrestaurant „Da freut sich der Bello“, das zum Nachtisch Hundekekse mit Jogurtgeschmack anbot. So verirrten sich nur ein kurzsichtiges Rentnerehepaar, eine burmesischstämmige (burmesisch und stämmig) Miniaturdichterin und einige angetrunkene Psychologiestudentinnen (wegen des verfänglichen Namens "Da freut sich die Muschi“) in dieses Lokal. Nachdem das Restaurant von randalierenden Psychologiestudentinnen demoliert worden war (der blöde Ex – Postangestellte hatte es natürlich nicht versichern lassen), beschloss er, per Autostopp eine Weltreise zu unternehmen „um seine Gedanken zu sammeln“, wie er der Miniaturdichterin, mit der er regen Verkehr pflegte, in einem streng vertraulichen Gespräch mitteilte. Blöderweise fand er diese schon 2 km vor St. Pölten, den Heimweg allerdings nicht mehr, was möglicherweise damit zusammenhing, dass er gar kein Zuhause besaß.

 

Da saß die Miniaturdichterin nun in ihrem Baumhaus und schrieb traurige Miniaturen, in denen es immer um burmesischstämmige (burmesisch und stämmig) Miniaturdichterinnen ging, deren bester und einziger Freund, ein ehemaliger Postangestellter, der 2 Jahre in der Kanalisation gelebt und danach mit einem Katzenfutterrestaurant Konkurs gemacht hatte, auf einer Weltreise bis kurz vor St. Pölten verschollen war, und die deshalb sehr einsam waren und alle Anna Müller hießen. Durch dieses Synonym hoffte sie, in diesen Miniaturen nicht wiedererkannt zu werden (in Wirklichkeit hieß sie Anne Müller), was auch der Fall war, weil kein Schwein sie jemals las mit Ausnahme des Songwriters von Britney Spears, der daraus einen neuen Hit machen wollte. Diese Idee scheiterte allerdings am (durchaus begreifbaren) Widerwillen der Sängerin gegenüber der österreichischen Post und der Versuch, die kleine fette glatzköpfige 89jährige Dichterin die Miniaturen auf altburmesisch zu Popklängen weinen zu lassen, wurden vom der breiten Masse und sämtlichen schlankeren Menschen nicht einmal ignoriert (mit Ausnahme gewisser schwerstbetrunkener Psychologiestudentinnen, die den Künstlernamen Anna Müller falsch verstanden hatten und deshalb einen Konzertsaal mit Gummibärli verwüsteten [von Haribo, weil das sind einfach die besten. Wir danken für die großzügige Unterstützung bei der Entstehung dieser Geschichte]). Früher war halt alles besser (bis auf das, das nicht besser war).

 

Der Ex-Postangestellte hatte unterdessen einen Job bei der Post angenommen, musste aber in der Karriereleiter wieder auf der untersten Sprosse beginnen, die bei der Post in St. Pölten in der Kanalisation liegt. Das ist keine metaphorische Umschreibung, es handelt sich vielmehr um das Recycling benutzten Toilettenpapiers, das seine Reinkarnation als Briefmarke feiert (mit vielen knapp bekleideten Damen, Alkohol und anderen Genussmitteln). Der Ex-Ex-Postangestellte wurde zu diesen wilden Partys aber nie eingeladen und weinte daher jeden Tag um seine verlorene Liebe. Pünktlich um 8.47 pm, wenn er nach Hause kam, suchte er Taschentücher und weinte dann von 9.13 bis 11.43. Danach versuchte er sich zu erinnern, wer diese verlorene Liebe eigentlich war, bis er entdeckte, dass er noch nie geliebt hatte, und sich dann niedersoff, sodass er am nächsten Tag vergessen hatte, dass er nie geliebt hatte und wieder pünktlich um 9.13 pm zu weinen begann. Eines Tages aber beschloss er, sein Leben zu ändern, blöderweise jedoch in der „Saufen und Vergessen“-Phase; somit wurde nix draus. Heute arbeitet der Ex-Ex-Ex-Postangestellte als Heerespsychologe in Wien.

 

Die Miniaturdichterin aber konnte ihren besten und einzigen Freund nie ganz vergessen. So beschloss sie, sich zum Heer zu melden, war aber leider zu alt, zu fett und zu intellektuell. So endet die herzergreifende Geschichte des Ex-Ex-Ex-Postangestellten und der burmesischstämmigen Miniaturdichterin. Das symbolisiert die verlorene Romantik unserer Zeit. Sniff.