Ein bisschen Alles - Lesung in Dur, Moll und Krach

Es war am 5.10 um 20:00, die Lesung sollte in einer halben Stunde starten, und ich stellte gerade fest, dass das Mikro und das Kabel dazu nicht zusammenpassten. Dabei hatte ich doch alles so gut geplant und mir sogar vorgenommen, es im Begrüßungstext schon zu erwähnen, dass ich jetzt im Gegensatz zur ersten Lesung ein Mikrophon hätte. Ich dachte auch, ich würde es dringend brauchen, da ich mehr als die knapp sechzig Leute der ersten Lesung erwartete. Schließlich hatte ich ja einen Gastleser, der sicher selbst auch Leute mitbringen würde. Und dann das mit dem Mikro und dem Kabel. Doch manchmal hat das Schicksal ein Einsehen und sendet einen Boten in Gestalt des Gitarristen Christian Hubinger mit dem passenden Teil vorbei. Der Abend war gerettet, die Massen konnten mit Texten versorgt werden. Bloß, wo blieben die nur? Die nächste Hiobsbotschaft: das Mikro passte jetzt mit dem Kabel, nicht aber mit dem Mikrohalter zusammen, doch da konnte Klebeband Abhilfe schaffen. Inzwischen war es eine Dreiviertelstunde nach dem angekündigten Anfang, ich beschloss, trotz kleinem Publikum zu beginnen. Und prompt tröpfelten noch ein paar Spätankömmlinge ein. Doch der Mikroständer konnte die eingestellte Höhe nicht halten, ich las also den ganzen ersten Teil mit gesenktem Kopf. Darüber hinaus beschloss ich live, ihn wegen der vorgerückten Stunde zu kürzen, doch es half nichts. Einige Menschen, die der Arbeitsalltag zum Frühaufstehen zwingt, verabschiedeten sich bereits in der Pause.

 

Im zweiten Teil zeigte Michael Menzel, der aus Martin Stanoniks Roman "Das kleinkarierte Arschloch" vortrug, sehr gut, dass es auch ohne Mikro geht, also beschloss ich, es ihm gleich zu tun und hatte noch eine für mich stimmige Lesung aus meinem Romanmanuskript "Warten". Auch das kleine, aber sehr feine noch verbliebene Publikum trug viel dazu bei, dass der Abend noch sehr schön endete.